Grubenrettung in Tschechien

Dräger Review: Václav Pošta

Dräger Review 100 Interview: Václav Pošta

Dräger Review 100 Interview: Václav Pošta

Václav Pošta ist unter anderem Direktor des Grubenrettungswesens in der Tschechischen Republik. Die dortigen Bergwerke setzen seit rund 100 Jahren Geräte von Dräger ein.

Herr Pošta, worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie auf Ihre jahrelange Tätigkeit an der Spitze des tschechischen Grubenrettungsdienstes zurückblicken?

Vor allem darauf, dass im Zeitraum von 31 Jahren – unter meiner direkten Leitung der Havarienbekämpfung – kein Grubenwehrmann ums Leben kam.

Ist Ihnen die potenzielle Gefahr denn noch immer bewusst, wenn Sie in eine Grube einfahren?

Ja, denn Bergbau beeinflusst nun einmal die Natur und kann beispielsweise zu Gebirgsschlägen, Gas-, Wasser- und Kohlenausbrüchen oder Gasansammlungen führen. Das sind Gefahren, die man nicht vergessen darf! Jeder, auch der beste Grubenwehrmann, muss deshalb Achtung und Respekt vor der Natur und damit vor dem Bergwerk haben. Sonst riskiert er Gesundheit und Leben – für sich und seine Kollegen.

Was waren die wichtigsten Entwicklungen für die Bergwerkssicherheit in Tschechien in den letzten zehn Jahren?

Wir haben vor allem in Ausbildung und Ausrüstung der Belegschaft investiert: Im Rahmen eines Sicherheitsprogramms wurden alleine in den letzten zwei Jahren für rund 20 Millionen Euro Schuhe, Arbeitsbekleidung mit Reflektoren, Selbstretter, Grubenlampen und Gasmessgeräte mit Messwertspeicherung gekauft. Parallel zu diesen Investitionen achtet OKD auch darauf, dass die Ausrüstung vereinheitlicht wird. So arbeitet jeder Bergmann in jedem Bergwerk mit dem selben Selbstretter, dem selben Gasmessgerät. In die Innovation der Abbau- und Vortriebstechnik hat die OKD AG während der beiden letzten Jahre im Rahmen des Produktionsoptimierungsprogramms weiter über 330 Millionen Euro investiert. Auch das trägt zur Sicherheit bei.

OKD ist ein Großkonzern. Wie haben Sie die Minenrettung für die verschiedenen Bergwerke organisiert?

Neben der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen gibt es sieben Grubenrettungsstellen. Hier kümmern sich fast 800 freiwillige und hauptberufliche Grubenwehrmänner um die Sicherheit oder die Rettung der Bergleute.

Sind Sie denn ausschließlich für Sicherheit und Rettung in den Bergwerken zuständig?

Oh nein. Der Bergbau steht natürlich im Fokus unserer Arbeit, weshalb der Grubenrettungsdienst auch von der Bergbehörde beaufsichtigt wird. OKD ist das einzige und damit automatisch größte tschechische Bergbau-Unternehmen, das Steinkohle unter Tage fördert. Aus den derzeit vier Gruben fördert OKD rund 13 Millionen Tonnen pro Jahr, größtenteils für Verkokung geeigneter Steinkohle. Aber unsere Arbeit reicht noch weiter. So kommt die Grubenrettung auch bei Bauarbeiten mit bergmännischen Verfahren zum Einsatz – etwa beim Tunnel- und dem unterirdischen Leitungsbau. Außerdem haben wir Vereinbarungen mit der Feuerwehr und dem Integrierten Rettungssystem der Tschechischen Republik für den Einsatz im Zivilbereich getroffen: Bei einem Hochhausbrand können wir beispielsweise für die Personenevakuierung 300 Selbstretter zur Verfügung stellen.

Welche Rolle hat denn die Bergbaugeschichte für den heutigen Stand der Bergbausicherheit in Tschechien?

Der Bergbau in unserer Region entstand im 19. Jahrhundert, als dieses Gebiet noch einen Teil der Monarchie Österreich-Ungarn bildete. Verbindungen zum österreichischen und deutschen Bergbau gab es hier immer. Und die langjährige Erfahrung ist ein Fundament, auf dem die heutige Arbeit aufbaut. In den letzten 20 Jahren wurde der Grubenrettungsdienst reorganisiert und effektiver gemacht. Geregelt ist das alles im Bergbaugesetz, in Verordnungen der Obersten Bergbaubehörde und in der Dienstordnung der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen. Besonderes Augenmerk haben wir dabei auf die noch bessere Qualifizierung der Grubenwehrmänner gelegt. Jeder von ihnen muss die Handhabung der Atemschutz- und Wiederbelebungsgeräte beherrschen, hauptberufliche Grubenwehrmänner dazu auch noch Ab- und Aufseilgeräte sowie eine Taucherausrüstung.

War die 4. International Mines Rescue Conference (IMRC), die im Herbst 2009 in Tschechien stattfand, ein Leuchtturmprojekt für Sie?

Auf jeden Fall. Neben dem Aufbau der Grubenrettungsausstellung in Ostrava waren die Sitzung des International Mines Rescue Body und die 4. Internationale Konferenz der Grubenrettungsdienste im Jahr 2009 herausragenden Ereignisse, durch welche unsere Arbeit auch in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird.